Eine bewusst Pause und was die Stille mir gezeigt hat.
Es war still um mich. Länger als gedacht. Wer meinen Blog regelmäßig liest, hat es vielleicht bemerkt. Keine neuen Artikel, kein Soul-Letter, kaum Präsenz nach außen. Ich hätte viel zu sagen gehabt, doch das Leben hat mich woanders gebraucht.
Ein Familienmitglied brauchte Begleitung und Fürsorge. Mein Fokus hat sich verschoben nach innen, nach Hause, weg von der Öffentlichkeit. Und ich habe es zugelassen. Bewusst und ohne schlechtes Gewissen.
Was ich in dieser Zeit gelernt habe: Rückzug ist keine Schwäche. Er ist die ehrlichste Form von Selbstverantwortung.
Was in der Stille passiert
Ich hätte weitermachen können. Schreiben, posten, präsent sein – auch wenn ich innerlich gerade woanders und meine freie Zeit begrenzt war. Viele tun das. Sich verausgaben, über ihre Grenzen hinaus. Ich kenne diesen Modus gut, ich habe ihn jahrelang gelebt.
Funktionieren, während innen etwas ganz anderes passiert.
Diesmal habe ich mich dagegen entschieden. Und das war keine leichte Entscheidung für jemanden wie mich. Jemanden, der lange geglaubt hat, Wert durch Leistung und durch Anerkennung im Außen beweisen zu müssen.
Irgendwann in dieser Stille ist etwas passiert. Kein großer Moment. Kein Aha-Erlebnis mit Orchesterbegleitung. Sondern etwas viel Leiseres: Ich habe aufgehört, mich zu fragen, was andere denken. Was andere erwarten. Ob mich jemand vergisst, weil ich schweige.
Stattdessen habe ich mich gefragt: Was will ich wirklich? Mit wem möchte ich arbeiten? Wohin führt mich dieser Weg und ist es wirklich meiner?
Das sind keine bequemen Fragen. Aber es sind die ehrlichen.
Ich habe losgelassen. Nicht im Sinne von: Ich lasse mich treiben, egal wohin. Sondern im Sinne von: Ich bin offen – für neue Wege, für Zeichen, für das, was entsteht, wenn ich aufhöre zu erzwingen.
Denn ich habe in dieser Zeit etwas verstanden: Wenn es still wird, wenn Dinge stehenzubleiben scheinen, wenn Herausforderungen größer werden – dann hat das einen Grund. Das ist kein Rückschlag. Das ist eine Einladung anzunehmen, was gerade ist. Zu vertrauen, dass etwas Gutes kommt, auch wenn man es noch nicht sieht.
Nicht der Prozess entscheidet, wer ich bin. Ich bin der Prozess.
Und dann kam der Moment, der alles geklärt hat: Ich entscheide, wann ich bereit bin, wieder präsenter zu sein. Nicht der Algorithmus. Nicht die Erwartungen anderer. Nicht meine eigene Angst, unterzugehen. Sondern ich.
Konzentrierte Präsenz für die Menschen, die mich wirklich brauchen, das war mein Fokus in diesen Monaten. Bestehende Klientinnen. Familienmitglieder. Und ich selbst. Mehr Verbindung zu mir. Zu meinem Höheren Ich. Zu dem, was wirklich trägt.
Gleichzeitig hat sich beruflich ein neues Feld aufgetan. Ein Kontext, der vielleicht überrascht und gleichzeitig Sinn ergibt. Es geht um unseren Körper und darum, dass sich – wenn sich dieser verändert, willentlich oder nicht – auch das Selbstbild verändert. Manchmal vorher, manchmal danach, manchmal beides. Identitätsarbeit beginnt nicht erst im Coaching. Sie beginnt in dem Moment, in dem ein Mensch spürt: So wie bisher will ich nicht mehr sein.
Auferstehung. Ein Bild, das bleibt.
Manche Bilder tragen eine Wahrheit in sich, die über Konfessionen hinausgeht. Auferstehung bedeutet nicht, dass nichts passiert ist. Es bedeutet nicht, dass alles gut war. Es bedeutet, dass etwas durch Dunkelheit hindurchgegangen ist und auf der anderen Seite anders herauskommt. Nicht unbeschadet. Aber verwandelt.
Das Alte stirbt nicht, weil es schlecht war. Es stirbt, weil es seinen Zweck erfüllt hat. Weil es Zeit ist für etwas, das tiefer geht. Echteres. Stimmigeres.
Genau so fühlt sich dieser Frühling für mich an.
Ich komme zurück. Nicht wie vorher, sondern mit mehr Gespür dafür, was mir wirklich wichtig ist und was ich getrost loslassen darf.
Was ich losgelassen habe? Den Druck, immer präsent sein zu müssen. Die Überzeugung, dass Sichtbarkeit Kontinuität bedeutet. Die stille Angst, dass man mich vergisst, wenn ich schweige. Den Glauben, dass ich leisten muss, um wertvoll zu sein.
Was ich mitnehme? Die Erfahrung, dass echte Verbindung mit sich selbst nicht in besonderen Momenten passiert. Sie passiert im Alltag. In den unspektakulären Stunden. Wenn man aufhört zu funktionieren und anfängt zu spüren. Wenn man aufhört zu fragen, was andere erwarten und anfängt zu hören, was in einem selbst leise ruft.
Welchen Samen möchtest du setzen?
Frühling ist die Jahreszeit der Anfänge, des Samens, der Intention. Nicht des Neujahrsvorsatzes, der oft aus Druck entsteht.
Ein Samen ist klein. Unscheinbar. Man sieht lange nichts. Und trotzdem trägt er bereits alles in sich, was er werden will. Er braucht keine Perfektion. Er braucht das richtige Umfeld, Nährstoffe und Zeit.
Was wäre, wenn du dir diese Frage ernsthaft stellst: Welchen Samen möchte ich jetzt setzen?
Nicht: Was soll ich erreichen?
Nicht: Was erwarten andere von mir?
Sondern: Was will in mir wachsen?
Ich lade dich ein, dir die folgenden Fragen für die nächsten 21 Tage täglich zu stellen, als Einladung an dich selbst.
Deine 21-Tage-Reflexion:
Was habe ich heute gespürt – und habe ich darauf gehört?
Wo habe ich mich heute angepasst – und warum?
Was brauche ich gerade wirklich – und gestehe ich es mir zu?
Welchem inneren Impuls bin ich heute gefolgt – oder habe ich ihn übergangen?
Stell dir diese Fragen abends. Schreib die Antworten auf, wenn du magst, oder spür ihnen einfach nach. Ganz ohne Druck. Dafür jeden Tag. Nicht um Antworten zu finden, sondern um wieder in Kontakt zu kommen. Mit dir.
Ich freue mich, wieder präsenter hier zu sein. Und auf das, was entsteht in dir und in mir.
Allen die feiern, wünsche ich Frohe Ostern!
Blogbeitrag als SOUL-LETTER direkt in dein Postfach.
Tiefe, Reflexion & sanfte Impulse für dich.
Trage dich ein & erhalte neue Artikel automatisch.
Hinterlasse einen Kommentar